Theaterkritiken von Sarah Richter für das StadtRevue Kölnmagazin

aus Luftschiff - http://www.luftschiff.org/
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StadtRevue Köln 05/2009

Erscheint am 23.4.

  • Der Blaue Vogel (Arkadas Theater, Bühne der Kulturen)

StadtRevue Köln 04/2009

  • Kaspar (Horizonttheater)

Schauspiel. Am Horizonttheater holt Gastregisseur Eckhard Kruse-Seiler Peter Handkes "Kaspar" von 1968 in die multimediale Kommunikationslandschaft unserer Zeit. Inspiriert von der historischen Figur des Kaspar Hauser, der dem Mythos zufolge 16 Jahre isoliert in einem Verlies aufwuchs, kennt Handkes Kaspar nur einen Satz: "Ich möcht ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist". Das Sprechstück hat keine eigentliche Handlung. Vielmehr wird Kaspar duch vorproduzierte Einspieler audio-visuell mit neuen Sätzen, Bildern und durchdringender Musik bombardiert und so "kultiviert". Der mulitmediale Terror der Inszenierung ist nicht nur sprichwörtlich. Oft wird es in dem kleinen Raum zu laut und zu schrill - und der Countdownzähler vom Publikum dankbar konsultiert. Unfreiwillig vielleicht dann doch ein Weckruf für jene, die sich wie selbstverständlich gleichzeitig von Computer und Fernseher beschallen lassen.

  • Aalst (Theater Tiefrot)

Doku. Was trieb das Ehepaar B. dazu, ihre drei Monate alte Tochter un den siebenjährigen Sohn in einem Hotelzimmer im belgischen Aalst zu ermorden? Günther Overmanns Inszenierung des Dokudramas "Aalst" von Pol Heyvaert und Dimitri Verhulst rekonstruiert auf spartanischer Bühne das Verhör zum Kindsmordsfall von 1999. Die Täter - zwei ehemalige Heimkinder, die selbst Opfer häuslicher Gewalt und sexuellen Missbrauchs waren. Eine brutale Hassliebe verbindet das Paar, das in der Gesellschaft keinen Platz für sich sieht. Mit erschütternder Kaltschnäuzigkeit buhlen sie vor der Staatsanwältin um schuldmindernde Umstände. Wo es keine zufriedenstellende Erklärung geben kann, bleibt das allgegenwärtige Warum unbeantwortet. Leider verhindert die kapitelartige Erzählweise im Theater Tiefrot, dass die Geschichte wirken kann und man nachwirkend von ihr betroffen ist.

StadtRevue Köln 02/2009

  • Der Kaufmann von Venedig (Severins-Burg-Theater)

Drama. Burkhard Schmiesters moderne Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig", jenem legendären Stück um einen ungewöhnlichen Kreditvertrag zwischem dem rachsüchtigen Juden Shylock und dem Kaufmann Antonio, ist nicht so konsequent wie die Ankündigung erwarten lässt. Im Bemühen sich nicht (nur) mit dem antisemitischen Motiv des klassischen Werkes auseinander zu setzen, wurden einige Figuren eifrig mit homosexuellen Neigungen ausgestattet, die dann aber doch nicht diskutiert werden. Schmiesters Gruppe berechenbarer hedonistischer Einzelgänger macht jede Beziehung, jede Romanze im Stück zur Farce. Die Figuren verkommen, nicht zuletzt auf Grund der überspannten Spielweise des Ensembles, zu einer Karikatur dessen, was möglich gewesen wäre. Ihr Desinteresse aneinander überträgt sich auch auf das Publikum.

  • Nuni (Freies Werkstatt Theater)

Kindertheater. Die kleine Nuni langweilt sich und will die Welt jenseits des heimischen Gartenzauns erkunden. Ihre Eltern meinen, dafür ist sie noch zu klein. Sie verläuft sich prompt und findet sich am Ende der Welt wieder. Unterwegs trifft sie zahlreiche Tiere und Sternbilder, die ihr helfen und sie auf dem Weg nach Hause begleiten. Bei der ersten Bühnenadaption des Kinderbuches "Nuni" von Fritz Mühlenweg (Regie: Roland Bertschi) wäre weniger mehr gewesen. Die Geschichte ist mit Nebenfiguren überladen und auch Nuni ist zu eindimensional und zu wenig emotional angelegt, um die Kinder in ihren Bann zu ziehen. Der Geschichte fehlen Hindernisse, Herausforderungen, Bösewichte oder zumindest, wenn schon, eine Moral. Woran Nuni am Ende des Stückes "so gewachsen" sein soll, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Für die ganz Kleinen noch ein bunter Spaß, für die älteren Sprösslinge doch wohl eher die große Langeweile.


StadtRevue Köln 01/2009

  • Savage/Love (Arkadas Theater/Bühne der Kulturen)

Drama. In einer richtigen Beziehung kann man nichts falsch machen und in einer falschen nichts richtig. Das junge sechsköpfige Ensemble um Autor und Regisseur Cem Gerceker Tekin zeigt "Savage/Love" nur die falschen Beziehung. "Auch wenn wir betrogen sind, wir machen weiter", sind sich die Figuren im Chor einig. Ja, aber wie? Ein Kaleidoskop der Beziehungen um unerwiderte Liebe, Gleichgültigkeit, Einsamkeit, Rache, Liebesunfähigkeit, Exhibitionismus und Voyeurismus. Eine bedrückende und schmerzhafte Atmosphäre, durchbrochen von schrillen, zu lauten Sounds, provokant ehrlichen Texten und expliziten Videoeinstellungen. Tekins Adaption des Sam Shepard-Stücks "Savage/Love" geht unter die Haut. Und so manch einem dürften die Geschichten unangenehm den Spiegel vor das Gesicht halten.