Helmut Dubiel: Tief im Hirn

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Helmut Dubiel: Tief im Hirn

Aus: Stadtrevue Köln Magazin 10/2006

Es ist gut, dass Helmut Dubiel dieses Buch geschrieben hat. Für die Leser ist es gut, weil sie etwas über die Innenwelt eines Menschen erfahren können, dessen Körper ihm langsam zum Gefängnis wird. Für Helmut Dubiel ist es gut, weil man zwischen den Zeilen ahnen kann, dass darüber berichten zu können hilft, mit einer Krankheit umzugehen, die sehr langsam kommt und für immer bleibt.

Morbus Parkinson ist der unaufhaltsame Untergang der substantia nigra, jener dunkelgrauen Zellen im Gehirn, in denen der Botenstoff Dopamin zu Hause ist. Wenn Dopamin fehlt ist die Reizweiterleitung u.a. im motorischen Bereich gestört. Einfache Bewegungsabläufe werden stark erschwert und die Muskelspannung nimmt zu. Davon ist der aufrechte Gang ebenso betroffen wie Mimik und Koordinationsfähigkeit. Im Verlauf der Parkinson-Krankheit versiegt diese Dopaminquelle im Gehirn und die Betroffenen wirken daher leise, unsicher und teilnahmslos. Für die Kranken werden alltägliche soziale Kontakte und die damit verbundenen Missverständnisse oft zu einer unerträglichen Qual.

Der Hochschullehrer Dubiel berichtet eindrucksvoll von seinen Erfahrungen mit der unheilbaren Krankheit, die ihm schon früh (mit Mitte Vierzig) die Kontrolle über seinen Körper und dann - durch eine misslungene Hirnoperation - auch noch die gewohnte Sicherheit nahm, frei und eloquent reden zu können. In seinem Buch findet er Worte für die Hölle, durch die Mobus Parkinson führt und die für Außenstehende oft unverständlich ist. Doch wenn der Blick des Autors vom Eigentlichen zu anderen Themen wandert und Dubiel z.B. über New York, inkompetente Ärzte oder universitäre Machtspiele schreibt, verliert sich die Erzählung in akademischer Geschwätzigkeit und ins allzu private. Ohne diese Abschweifungen wäre das Buch zwar noch dünner - aber besser. Doch auch so, wie es ist, ist es gut, dass es geschrieben wurde - und gelesen werden kann.

Klaus Fehling