2009-06-18 Kölnische Rundschau über KONG / PRAXIS

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Ein wildes Wesen an die Kette des Showbusiness gelegt

Premiere in der Kunst-Praxis Staab: Dorothea Reinhold spielt Klaus Fehlings Monodrama „Kong

Vier Wochen liegt die Uraufführung von „Kong“ in der Orangerie zurück, und schon gibt es eine zweite Inszenierung des Monologs von Klaus Fehling in Köln zu sehen. Erneut entrollt sich das Drama des Filmstars King Kong, der als Attraktion in einer abgehalfterten Broadway-Show in Ketten von seinem Schicksal erzählen darf. Aber diesmal wird der Affe, der einstmals der König des Urwalds war, von einer Frau gespielt.

Schon diese Entscheidung erweist sich als kluger Schachzug. Eine Art Verfremdungseffekt, der die Tragik eines Wesens verdeutlicht, das dazu verdammt ist, in den seichten Gewässern der Unterhaltungsbranche existieren zu müssen. Nirgendwo scheint der Eindruck quälender Unendlichkeit so unmittelbar gegenwärtig wie in der Welt der kommerziellen Illusion. Die Treppe, die im Hintergrund zum Dach führt, lässt denn auch ein ungutes Gefühl aufkommen: Eines Tages wird Kong hinauf steigen.

Diese zweite Inszenierung des Fehling-Textes, die Michael Staab in seiner Kunst-Praxis präsentiert, wirkt ungleich wuchtiger als die Uraufführung von 1000 Hertz. Dorothea Reinhold gestaltet den Monolog mit ihrer tiefen raumfüllenden Stimme. So zieht sie das Publikum in ihren Imaginationsraum, wenn sie zu ihrem „Stellen Sie sich vor...“ ansetzt. Ja, man stellt sich die Einsamkeit des Heimatlosen vor, der Abend für Abend den Blicken der Passanten ausgesetzt ist. Die Bilder, die Fehling entwirft, sind plötzlich zum Greifen nah. Und doch kippt die Wucht dieses Spiels nicht ins Pathos ab, sondern lässt stets eine Spur Ironie in den Sätzen nachschwingen. So entwickelt sich „Kong“ zu einem anregenden Balanceakt zwischen Theater und Performance, den Dorothea Reinhold – in Staabs geradliniger Regie – mit Bravour präsentiert. (TL)